Luxuriöse Kurbäder: Bath in England


Die einzigen heißen Quellen Englands, imposante Architektur und königliche Gäste: Bath im Westen Englands ist ein beeindruckender Kurort mit alter, wechselhafter Geschichte. Nachdem Bath ab dem 19. Jahrhundert hinter andere europäische Kurorte zurückfiel, besinnt sich das Städtchen heute stärker denn je auf seine Wurzeln.

Monumentale Plätze, halbmondförmig angeordnet wie der Royal Crescent oder vollständig rund wie der Circus, dazu historische Gebäude mit Säulen und Pilastern im georgianischen und palladinistischen Stil: Bathens Architektur wirkt fast unwirklich elegant und durchdacht. Kein Wunder, dass die Unesco den Ort bereits 1987 zum Weltkulturerbe ernannte. Die Bewohner von Bath passen nicht immer zum eleganten Stadtbild, die Atmosphäre des 90.000-Einwohner-Dorf ist dafür lässig, statt steif.

Jane Austen in Bath

Zu den majestätischen Gebäuden und Plätzen von Bath, gesellen sich akkurat angepflanzte Parks wie Royal Victoria oder Sydney Gardens, in dem Jane Austen gerne spazieren ging. Englands berühmteste Schriftstellerin wohnte als junges Mädchen von 1801 bis 1806 in dem westenglischen Ort, daran erinnert das Jane Austen Centre, das eine Sammlung von Filmrequisiten, Büchern und Fotos zeigt und Austen-Fans aus aller Welt anzieht. Ob Jane Austen auch in den namensgebenden heißen Quellen von Bath badete, ist allerdings nicht überliefert.

Die Römer nutzten die Quellen von Bath

Die heißen Quellen von Bath sind die einzigen ganz Englands und wurden schon von den Kelten genutzt, bevor die Römer 43 nach Christus Großbritannien eroberten und auf die Quellen aufmerksam wurden. Sie ließen Thermen nach römischem Vorbild errichten und badeten, feierten und diskutierten in den Wasserbecken. Als die Angelsachsen Bath im 6. Jahrhundert einnahmen, wurde dem Ort der Name Hot Batha gegeben – Ursprung für die heutige Bezeichnung. Dennoch: Mit dem Abzug der Römer versank auch deren Badekultur. Die alten Bäder sollten erst über 1000 Jahre später wieder entdeckt werden.

Könige und Adlige kurten in Bath

Mit der Badekultur in Bath ging es nach dem Abzug der Römer viele Jahre hin und her, immer in starker Abhängigkeit zu dem, was die Könige mit Bath vorhatten. Wilhelm II. ließ im 11. Jahrhundert die drei großen Bäder King’s Bath, Hot Bath und Cross Bath errichten, unter Heinrich IV. verfiel Bath wieder. Als im 16. Jahrhundert Heilwasser für Kuren in Mode kamen, besuchte Königin Elisabeth I. 1574 den Ort. Andere Adlige und auch der englische König kurten im 16. Und 17. Jahrhundert in Bath. Anfang des 18. Jahrhunderts begann dann der Aufstieg von Bath als mondäner Kurort. Königin Anne besuchte Bath, Richard „Beau“ Nash, genannt der „König von Bath“, ließ die georgianischen Plätze, und romantische Brücken wie die Pulteney Bridge errichten und sorgte für ein großes Vergnügungsangebot – Konzerte und Bälle fanden fortan zu Hauf in Bath statt.

Bath wurde von anderen Kurorten überflügelt

Der Stil war anders als in Vichy oder Baden-Baden, in gewisser Weise typisch britisch. Mehr noch als das Eintauchen in den drei Bädern, war das Trinken des Heilwassers beliebt bei den Gästen. Davon zeugt die Ende des 18. Jahrhunderts erbaute monumentale Trinkhalle Great Pump Room, die auch heute noch besucht werden kann. Doch Bathens Glanz als mondäner Kurort währte nicht lange, andere europäische Kurbäder überflügelten den Ort. Angeblich konnte auch Queen Victoria den Ort aufgrund einer schlechten Kindheitserfahrung nicht leiden und machte daher große Bögen um ihn. Bath verlor seinen Glamour und seine internationale Bedeutung. Ein Glück war die Wiederentdeckung der römischen Bäder im Jahre 1889, die heute die größte Touristenattraktion sind. Die Menschen drängen sich um das steinerne Becken, aus dem etwa 46 Grad heißes Wasser empor gurgelt, und vor allem im Winter dampfend aufsteigt.

Heute: Besinnung auf die luxuriösen Wurzeln

Einen Rückschlag sollte Bath jedoch noch erleiden: Ein Meningitisfall im Jahr 1978 sorgte dafür, dass niemand mehr in den heißen Quellen von Bath baden wollten. Doch die Zeit heilt alle Wunden und so wurde im Zuge des weltweiten Wellness-Trends das „Thermae Bath Spa“, eine schöne Therme mit mehreren Pools und beindruckendem Ausblick über die Stadt, errichtet. Die etwas verstaubte Hotellerie profitiert davon, Häuser werden modernisiert und dem Wellness-Trends angepasst.

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